Geheime Sprache

Das Voynich-Manuskript aus dem späten Mittelalter ist bis heute ein Mysterium: Auf rund 240 Pergamentseiten drängt sich ein Text aus unbekannten Schriftzeichen, ergänzt durch rätselhafte Darstellungen von Pflanzen, astronomischen Schaubildern und Frauengestalten beim Baden. In der Manuskriptbibliothek der Universität Yale, die das Buch aufbewahrt, geht man von einem „wissenschaftlichen oder magischen Text“ aus. Womöglich ein Zauberbuch? Der Informatiker Greg Kondrak und sein Student Bradley Hauer sind der Lösung jetzt mit Algorithmen zumindest ein Stück weit näher gekommen.
Herr Kondrak, was fasziniert Sie am Voynich-Manuskript?
Der Text ist der berühmteste ungeknackte Code aus dem Mittelalter. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert, wie wir dank der Radiokarbondatierung wissen. Vor ungefähr 100 Jahren wurde das Manuskript wiederentdeckt, von einem polnischen Büchersammler namens Wilfrid Voynich, nach ihm ist es benannt. Seither versucht man, das Manuskript zu entschlüsseln – vergeblich.

Warum hat es keiner geschafft, die Schrift zu entziffern?
Weil die Schrift einzigartig ist: Die Zeichen gehören zu keiner uns bekannten Schrift. Außerdem weiß niemand, in welcher Sprache der Urtext verfasst wurde. Das macht es doppelt schwierig, das Rätsel zu lösen. Manche sagen sogar, da habe sich jemand einen Scherz erlaubt, das Manuskript ergebe gar keinen Sinn. Das wäre aber ein sehr teurer Scherz gewesen, denn im 15. Jahrhundert kostete solch ein Buch ein Vermögen…

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